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Der Grund, warum ich meditiere

Lesezeit: 4 Minuten

Oftmals findet man bei der Beschreibung von Meditationsangeboten im Internet im selben Atemzug die Vorteile von Meditation aufgeführt: Stressreduktion, mehr Präsenz, stärkere Intuition etc.

Googlet man die Vorteile von Meditation, werden die meisten Vorteile mit wissenschaftlichen Studien belegt. Dies ist natürlich vollkommen verständlich und richtig, ich möchte jedoch in diesem Artikel zeigen, dass ich wohl kaum so lange meditiert hätte, wenn ich es nur von möglichen Vorteilen, die ich dadurch erhalte, abhängig gemacht hätte.

Ich meditiere hauptsächlich, weil es Sinn ergibt. Ich wiederhole dies nochmal, um es deutlicher zu machen: Ich meditiere hauptsächlich, weil es Sinn ergibt.

Doch was genau bedeuetet das? Als ich 2015 emotional den tiefsten Punkt in meinem Leben erreicht hatte und einen hohen Leidensdruck verspürt habe, geschah etwas, wovon ich nicht wusste, dass es möglich ist: Ein Aha-Moment, der mir zeigte, dass alles, was bisher in meinem Leben geschah, genau so geschehen musste. Mir wurde bewusst, dass freier Wille nicht möglich ist, da das “Ich”, das frei entscheidet nicht, existiert. Dieser Moment zeigte mir, dass alles, was es gibt, also das gesamte Universum, alle Paralleluniversen und auch alles, was geträumt und halluziniert wird (=alles was wahrgenommen werden kann), aus einer Quelle entstanden ist. Somit gibt es keine seperaten Individuen, die etwas ohne Vorbedingung und losgelöst vom gesamten Universum entscheiden, wie es die klassische Definition des freien Willens suggeriert.

Seitdem wurde mir klar, dass es absolut egal ist, was ich tue: es muss genau so kommen, wie es kommt. Ich kann also jegliche Kontrolle aufgeben und mich dem Leben hingeben. Es macht keinen Unterschied, da egal welche Entscheidung getroffen wird, diese auch genau so getroffen werden muss. Somit merkte ich, dass ich mir jeglichen Widerstand oder Kraftaufwand, der nicht meinem direkten Wunsch entspricht, ersparen kann.

Jetzt denkst du dir vielleicht: „Wenn man so lebt, geht das Leben garantiert bergab und es gibt nur noch Chaos!” Doch was, wenn das Gegenteil der Fall ist? Was, wenn das Leben besser wird, gerade weil wir aufhören mit unserem begrenzten Verstand Dinge zu kontrollieren? Und was, wenn du noch nie Kontrolle hattest und dein Leben trotzdem so verlaufen ist, wie es bisher geschah. Wäre das nicht verblüffend?

Mir wurde auch durch diesen unermesslichen Leidensdruck und dem daraus resultierenden, unendlich wertvollen Aha-Moment bewusst, dass man nie weiß, was im Leben passieren wird. Man könnte meinen, dass ein Ereignis definitiv schlecht ist. Einige Zeit später merkt man, dass genau dieses Ereignis eines der schönsten Geschenke hervorgebracht hat und dass man sich dies nicht hätte besser ausmalen können.

Gut und schlecht (zwei Kategorien unseres Verstandes) sind stetig im Wechsel. Ob wir nun etwas tun oder lassen ist in der Hinsicht gleich gut, da wir sowieso einen Wechsel der beiden Kategorien erfahren werden. Aufgrund der Vergänglichkeit aller Dinge und auch dieser beiden Kategorien, wird sich früher oder später alles zum Guten oder zum Schlechten wenden, egal was man tut.

Hier kommen wir nochmal zurück zu meinem Ursprungspunkt, in dem ich sage, dass ich hauptsächlich meditiere, weil es Sinn ergibt.

Oftmals meditiere ich so, dass ich mich hinsetze und für die jeweilige Zeit einfach nichts tue. Absolut keine Kontrolle ausüben und vollkommen loslassen. Alles so annehmen wie es kommt. Egal, ob ich z.B. eine gesamte Stunde lang nur nachdenke. Es musste genau so kommen und ich habe sowieso keine Kontrolle. Oder hast du es schonmal geschafft, deine Gedanken so lange zu stoppen, wie du möchtest? 🙂 Und das ist nur ein kleines Beispiel, denn je mehr ich mich beobachte, desto mehr merke ich, wie die Dinge einfach nur passieren. Das Schreiben dieses Textes eingeschlossen.

Ich meditiere seit 4 Jahren und ja, ich komme immer schneller in einen Ruhemodus, wenn ich mich hinsetze. Ja, ich bin tagsüber präsenter. Und ja, ich bin intuitiver geworden. Jedoch gibt es auch Phasen, wo ich das Gefühl habe, dass all diese Aspekte nicht zutreffen und würde ich meine Meditationspraxis nur davon abhängig machen, würde ich es sehr wahrscheinlich aus Frustration sein lassen. Somit hat ein Prinzip, das für mich immer Sinn ergibt, eine höhere Position in meiner Werte-Hierarchie.

Ich möchte dich nicht davon überzeugen, dass es kein Ich gibt, das etwas kontrolliert. Jedoch möchte ich dich dazu animieren, dich selbst mehr zu beobachten und dir dein eigenes Bild vom Ausmaß deiner Kontrolle zu machen: während du redest, gehst, isst, denkst, etc.

Und wenn du merkst, dass viele (eventuell sogar alle) Dinge, die du tust auf eine unendlich komplexe Art und Weise einfach geschehen, dann wirst auch du vielleicht merken, dass es Sinn ergibt, für eine bestimmte Zeit einfach mal das Ich abzuschalten und jegliche Kontrolle loszulassen.

Nicht, weil es gut tut oder dir etwas bringt, nein. Sondern einfach, weil es Sinn ergibt.

Dein Adnan

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