Meditationstechniken

Wie du mit schwierigen Emotionen meditierst

Lesezeit: 8 Minuten

Du hattest einen sehr stressigen Tag? Jemand oder etwas hat dich getriggert und du spürst seitdem starke, unangenehme Gefühle im Körper und möchtest einfach nur, dass es aufhört? Deine Gedanken holen die Situation immer wieder hoch?

Der einzige Weg ist hindurch

An solchen Tagen den Mut zu fassen und sich auf das Kissen zu setzen ist nicht einfach. Warum sollte man auch? ‘Ne Chipstüte und ein unterhaltsames Video auf Youtube machen es doch viel ertäglicher… Kurzfristig, ja. Aber auf lange Sicht möchtest du mit diesen Emotionen umgehen können, anstatt dich mit verschiedensten Dingen zu betäuben und dem Problem auszuweichen. Aber wenn du eine tägliche Meditationspraxis und langfristig inneren Frieden erreichen möchtest, wird es wohl nötig sein einmal genauer hinzusehen, was dort eigentlich ist…

Wie schätzt du dich ein?

Wenn du nun den Entschluss gefasst hast, dich mit diesen schwierigen Emotionen hinzusetzen, ist das schon ein großer Schritt, bravo! Stelle nun einen Timer und fange klein an. Frage dich am besten: “Wie lange kann ich hier wohl sitzen, ohne mich von der Emotion abzulenken?” Oder: “Wie viel Zeit kann ich dieser wichtigen Emotion schenken?” Die Zeit sollte so lang sein, dass du ein “Erfolgserlebnis” hast, jedoch nicht so überfordert bist, dass du den Entschluss fasst, dein Meditationskissen aus dem Fenster zu werfen. 🙂

Bei dem Fühlen von Emotionen empfehle ich dir, dich aufrecht hinzusetzen, da die Atmung möglichst gut fließen soll. Dadurch vermeidest du Verspannungen im Bauchbereich und somit zusätzlichen Widerstand, welcher dazu führt, dass die Emotionen nur noch stärker werden und sich länger halten. Schließe die Augen und bewege dich von nun an nicht.

Nun können verschiedenste Dinge passieren:

Abwehr durch Gedanken

Gedanken sind ein unglaublich effektives Mittel, um Ausreden zu finden, warum du jetzt nicht weiter meditieren solltest. Alles was von dem Plan abweicht, die gestellte Zeit auf dem Timer durchzuhalten, kannst du als “fremde Stimme” und Manipulationsversuch deines Verstandes ansehen. Beobachte, wie die Sätze ohne dein Zutun einfach entstehen und Dinge sagen wie: “Ich halte das nicht mehr aus! Das ist ungesund! Ich muss aufstehen!” Schaue dir “live” an wie diese Gedanken einfach aufploppen. Sind sie dann wirklich deine? Durch diese Beobachtung kannst du sie anzweifeln und wirst zum Beobachter der Gedanken, der dann erst entscheiden kann, ob er ihnen mit Taten folgen möchte oder sich an die festgelegte Zeit des Timers hält.

Gedanken als Ablenkung

Stell dir dein Bewusstsein wie eine Blase mit einem begrenzten Volumen vor. Dort passen all die Dinge rein, die du jetzt im Moment bewusst wahrnehmen kannst. Wenn du nun emotionalen Schmerz verspürst, versucht der Verstand mit Hochdruck “wichtige” Gedanken zu erzeugen, um deine Aufmerksamkeit zu gewinnen und dich so vom Schmerz abzulenken. Somit füllen die Gedanken die Blase (dein Bewusstsein) und es gibt keinen Platz für Emotionen. Zunächst, eine gut gemeinte Aktion des Verstandes, aber auf Dauer keine wahre Lösung. In dieser Meditation möchtest du fühlen – also tue dies, ohne den Gedanken Aufmerksamkeit zu schenken. Richte deinen Fokus lediglich aufs Gefühl. Sekunde für Sekunde. Immer wieder.

Müdigkeit als Schutzmechanismus

Es kann sein, dass du plötzlich anfängst zu gähnen und ganz müde wirst. Müdigkeit ist ebenfalls ein sehr starker Schutzmechanismus bei schwierigen Emotionen. Sollte so eine „Gähn-Phase“ einsetzen, kannst du dich auf den Atem konzentrieren und besonders den kalten Luftstrom spüren, der durch die Nase hinein fließt. Dieser kleine “Frische-Kick” sollte dir dabei helfen, ein wenig wacher zu werden. Du kannst außerdem die Müdigkeit beobachten! Sei der hellwache Beobachter des Gähnens, des Wegdösens, usw… Wenn du dich nicht mit der Müdigkeit identifizierst, sondern ihr nur zusiehst, kann dies sehr dabei helfen wach zu bleiben.

Genau untersuchen

Versuche nun während der Meditation zu prüfen, welches Gefühl am dominantesten ist. Wo sitzt es im Körper? Wie groß ist es? Welche Form hat es? Spüre wirklich in jeder Sekunde erneut hinein. Fall nicht drauf rein zu denken, dass du es gerade fühlst, ohne es zu fühlen. Spüre! Jetzt!

Beobachte, ohne zu ändern

Nimm die Emotion jedoch nur so wahr wie sie genau jetzt ist, ohne sie ändern zu wollen. Eine Emotion ändern zu wollen, bedeutet, dass man sie negativ bewertet, was wiederum Widerstand gegen die Emotion erzeugt. Merke dir: “What you resist, persists.” (Wenn du Widerstand gegen etwas aufbaust, bleibt es bestehen.) Beobachte einfach das Gefühl, ohne es zu benennen. Spüre nur die Sensation.

Weniger leiden durch Entspannung

Vielleicht merkst du, dass trotzdem Widerstand in Form von Gedanken und innerem Leiden vorhanden ist. Das ist zunächst in Ordnung. Versuche den Widerstand einfach möglichst weit zu reduzieren. Dies lässt sich gut über körperliche Entspannung regulieren. Jedoch ist dies ein Skill, der mit der Zeit immer besser wird, bis du irgendwann auf Knopfdruck innerlich weich werden kannst und die Emotion einfach durch dich hindurchfließen kann, ohne dass du so stark darunter leidest.

Belohne dich

Nimm am Ende wahr wie du dich im Vergleich zu vorher fühlst. Was hat sich verändert? Nach der vollendeten Session kannst du dich mit etwas belohnen und stolz auf dich sein! Du hast dir bewusst etwas schmerzhaftes angesehen und das ist sehr mutig!

Viel Erfolg dabei.

Dein Adnan

Aktuelle Beiträge

Meditationstechniken

Wie du dein wahres Ich finden kannst

In diesem Beitrag spreche ich nicht davon, wie du authentischer wirst oder deine wahren Interessen...
Meditationstechniken

Wie du Gedanken loslassen kannst

Zunächst ist es wichtig, dass du dir deiner Gedanken noch bewusster wirst. Dies geschieht dann,...
Meditationstechniken

Wichtige Körperregionen entspannen

Bei deiner Meditation werden immer wieder Verspannungen auftreten, die hauptsächlich eine Schutzfunktion des Körpers sind....

Jetzt meditieren lernen!

Lerne wie du deinen Körper und Geist in Einklang bringst.